Böse Mächte
Erst durch das Christentum wurden die vielen Erscheinungen böser Mächte
zusammengefasst und als Satan oder Teufel bezeichnet. Zuvor hatten böse Mächte
viele Namen, Titel und Bezeichnungen, wie sie nachfolgend lesen können. Im
Roggental liegen zwei große Felsblöcke links und rechts am Wege, die man das
Teufelstor nannte. Durch die der Leibhaftige immer schritt, wenn er übers
Mordloch aus der Tiefe kam. Beim Hohenstein ist die Teufelstreppe. Als der
Böse einst ein Kind geraubt hatte, konnte er nicht schnell genug die Talwand vom
Filstal herauf, um über die Hochebene zu entkommen und riss deshalb Felsen aus,
die er zu Stufen übereinander legte. Er hatte schon die siebente Stufe
erstiegen, als ihm das Kind entsank und davon schwebte. Das Gebet der Eltern
hatte ihm den Raub vereitelt und das Kind wohlbehalten
zurückgeführt. Unterhalb vom Vogelhof am Seitzenbach sollen nachts junge
weibliche Gestalten mit Fackeln und durchsichtigen, wallenden Gewändern um
Teufelsteine getanzt haben. Als der Schäfer Hansjörg einmal vorbei schlich um
neugierig zu schauen, bewegte sich plötzlich ein riesiger Schatten um ihn. Der
wurde immer dunkler und drohender und nahm schließlich die Gestalt des Teufels
an. »Fort, fort« rief der Hansjörg zu sich selber und begann wild zu laufen,
aber der Schatten verfolgte ihn. Dabei bekam er von ihm eine so derbe Ohrfeige,
dass er noch am ganzen Leibe zitterte als er ins Dorf zurückkam. Auch der
Jagdaufseher Frieder kam mit ihm in Verbindung, als er spät am Strietbach
entlang ging, hörte er in einiger Entfernung ein seltsames Brüllen. Der alte
Frieder, der keine Furcht kannte, ging keck darauf los und jedes Mal wurde der
Schrei tiefer im Wald ausgestoßen, immer wenn er im Begriff war ihn zu
erreichen. Er begann nun ebenfalls laut zu schreien und mied die weitere
Verfolgung in den Wald, denn es wurde ihm langsam gruselig. Er wusste nun mit
wem er es zu tun hatte, denn es war ein Brüllteufel, der auf diese Weise schon
manchen unterhalb vom Dangelhof irregeleitet und entfuhrt hatte. Besonders
geistliche Herren hatten unter ihm zu leiden. Als der Prediger Wolfram von
Wißgoldingen, der über die finsteren Mächte scharf gepredigt hatte, an der
Kapelle vorbei ging, wurde er plötzlich von einer großen Finsternis umhüllt. Er
merkte sofort wer's war und rief: »Wer bist du? « Darauf eine hohle Stimme
antwortete: »Der Fürst der Finsternis. « Dagegen antwortete der Geistliche: »Und
Christus ist das reine Licht. « Worauf die Nacht verschwand. Auch der junge
Vikar von Winzingen blieb Sieger. Als er abends nach Hause ging, gesellte sieh
unbemerkt ein unheimlicher Wanderer zu ihm und belästigte ihn mit spitzfindigen
Fragen. Der Vikar beantwortete sie ihm lange und geduldig. Als er ihn aber mit
einem jungen Mädchen necken wollte rief er mit lauter Stimme: »Hebe dich weg von
mir Satan. « Und sogleich verschwand der Teufel mit einem lauten Knall und ließ
einen übel stinkenden Schwefelgeruch zurück. Ein Bauer aus dem Ottenbacher
Tal namens Valentin, auch der Schwarze genannt, kümmerte sich weder um Gott noch
um seine Gebote. So ging er einmal in der Osternacht hinaus und wässerte seine
Wiese, obgleich er wusste welche Sünde er beging. Es bekam ihm aber schlecht,
denn währenddem fuhr ihm der Böse in Gestalt eines Geißbocks zwischen die Beine
und trug ihn auf und davon. Auf diesem Ritt lernte der Valentin das Beten,
was dem Teufel nicht gerade gefallen konnte und deshalb wurde der reuige Sünder
wieder abgeworfen. Auch soll ein Mönch vom Kloster, während er die Messe las,
zum Schrecken der Leute entführt worden sein. Er soll nämlich mit dem Geldstück
einer armen Witwe, das als Seelenopfer bedacht war, ein liederliches Weibsbild
damit bedacht haben. Die alte Agnes, die Topfhändlerin, erzählte als sie
wieder einmal bei Schnittlingen auf der Alb gewesen war um Handel zu treiben
traf sie auf eine reiche Bauernhochzeit. Das ganze Dorf feierte mit und es ging
hoch her. Dabei ließ man sie wissen, dass die Mutter der Braut keinen guten
Namen habe, ja man munkelte, sie sei eine Hexe und hätte ihr Kind dem Bösen
versprochen. Und das muss so gewesen sein, denn beim Essen stand die Braut
plötzlich käseweiß vom Tisch auf und ging aus dem Saal. Als man ihr später
nachging fand man sie tot in der Scheune. Spieler, Säufer, Wucherer,
Goldmacher und ungerechte Amtleute und Advokaten nimmt sich der Teufel besonders
aufs Korn. Vier davon spielten tagaus, tagein Karten am Schurrenhof. Sie
verprassten ihr Hab und Gut und ließen Weib und Kinder daheim arbeiten und
darben. Zu ihnen trat spätabends ein Engel und ermahnte sie und siehe, drei von
ihnen wurden wieder rechtschaffen. Nur der Vierte trieb es noch wilder und als
er wieder einmal zu seinem Hof heim wankte, gesellte sich zu ihm ein hinkender
Fremder. Der fasste ihn schließlich mit seinen Krallenhänden, warf ihn zu Boden
und dort blieb er wie vom Blitz getroffen liegen. In seiner verschlossenen Faust
fand man danach einen Würfel ohne Augen dafür aber mit einem Pentagramm. Im
Schlosse zu Winzingen wohnte lange ein unguter Mensch und Wucherer von dem man
sagte, er wäre nur durch den Bösen zu Reichtum gekommen. Als der Wucherer krank
wurde saß der Teufel mit Feueraugen in der Ecke und lauerte auf sein letztes
Stündlein. Schließlich drehte er dem alten Sünder das Genick um und entkam mit
seiner Seele durchs Kamin, noch bevor der Pfarrer mit der letzten Ölung
erschien. Das Wehr der mittleren der fünf Mühlen war zertrümmert und die
junge Müllerin in großer Not, zudem doch erst der Müller verstorben war. Da kam
als es dunkelte ein Mann zu ihr und wollte noch in der Nacht, bevor der Hahn zum
dritten Mal geschrieen hatte, das Wehr richten. Nur in sein Kontenbuch, sagte
er, müsse sie sich als Schuldnerin eintragen, auf dass sie ewig in seiner Schuld
bleibe. Die Müllerin sah im Buche gar viele bekannte Namen stehen und trug sich
auch ein. Als es danach draußen an der Lauter platschte, hämmerte und
fürchterlich krachte, lief sie schnell in den Hühnerstall und weckte den Hahn.
Mit dem dritten Hahnenschrei wurde es ruhig um die Mühle und am Wehr fehlte am
Morgen nur noch ein Stein. Lange hieß es im Volksmund darum nur noch das
Teufelswehr.
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