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Der letzte Gang

Wer wird als nächster scheiden,
wer wird erlöst von seinem Leiden?
Nun steh'n wir hier und fassen's kaum,
ist's Wahrheit oder nur ein Traum?

In unsrer Mitte klafft 'ne Lücke
das Schicksal schlug mit voller Tücke.
Der Tod hat keine Frist gegeben,
er kam und raffte fort sein Leben.

So werden Tote noch bedacht,
bevor man dann das Grab zumacht.
Man spricht von Pflichterfüllung, Treue
und lobt und preist ihn oft aufs Neue.

Man lobt sein Gut und all sein Habe
und legt noch Kränze zu seim Grabe.
Warum den Tote so noch ehren,
merkt auf und lasst euch doch belehren:

War denn wirklich dies sein Wille,
oder wollte er in aller Stille,
ohne Pomp, in tiefem Schweigen,
von uns fort zum Himmel steigen?

Seelenlos lehrt uns der Glaube,
wird sein Körper bald zu Staube.

Vielleicht fand er den Heimruf fein
und war im Leben oft allein.
Dann sind die Worte oberflächlich
und all die Kränze nebensächlich.

War sein Leben voller Kraft
und er für viele beispielhaft?
Dann kann man manche noch verstehn,
die dann zum letzten Abschied gehn.

Ob er dies wahrnimmt - unwahrscheinlich -
drum sind oft manche Worte peinlich.
Sie sind oft voller Eitelkeit
und nur den Lebenden geweiht.

Wir ziehen daraus nun den Schluss,
dass man die Freunde ehren muss.
Wenn sie noch unter uns verweilen,
wir Freud und Leid mit Ihnen teilen.


 



 
© 2010 Peter Grupp |