Holzleute
Auch wenn unsere Wälder nicht so dunkel und dicht sind wie der
Schwarzwald, so sind noch im siebzehnten Jahrhundert Holz, Berg und Moosfräulein
in ihnen gesehen worden. Unterhalb vom Zirschberg hat ein junger Knecht zwei
Moosfräulein in der Abenddämmerung sehen können. Sie hatten beide ganz grüne,
bemooste Gesichter und trugen Körbe von ungeschälten Weiden auf dem Rücken,
gefüllt mit Kräutern und Blumen. In der Nähe vom Frauenholz sollen sie in
versteckten Höhlen friedlich und genügsam gewohnt haben. Unterm Haldenhof
brachte ein Bauer sein Heu auf Haufen, um es vor dem aufziehenden Gewitter zu
schützen. Aus dem Buchholz am Waldesrand sprang plötzlich ein munteres
Waldweible hervor, warf sich auf die Heuschober und zerstörte sie mutwillig. Der
Bauer drohte dem Weible diese Streiche zu unterlassen und als sie nicht folgte
gab er ihr eines mit dem Rechenstiel. Laut schreiend sprang der kleine Wildfang
dem Walde zu und sofort waren mehrere zornige Männlein zur Stelle. Der Bauer
deutete ruhig auf den angerichteten Schaden und erzählte den Hergang. Nach
kurzem Bedenken sprach eines der Männlein: »Was du getan war gerechter Lohn,
wäre es anders gewesen, wäre es um dich geschehen« und dann waren alle plötzlich
verschwunden und seither nie mehr gesehen. Auch unterm Schattenhof sah
eine Frau auf ihrem Heuschober ein grünes Männle sitzen, nicht größer als eine
Katze. Sie ging vorsichtig an den Schober und nahm das Heu leise beiseite. Dabei
purzelte das Kerlchen herunter und fing laut an zu kreischen und sofort kam ein
ganzer Haufen solcher Grünholde und stellte sie zur Rede. Das Männlein aber kam
ihr zuvor und die Antwort war: »Ei, ei die Schuld war mei, das Ding fiel ei.
« Unterhalb vom Birkhof sprachen zwei arme Holzsammlerinnen davon, dass sie
morgen Brot backen wollten. Da stand plötzlich ein Waldweiblein neben ihnen und
bat: »Backt noch ein Brot für mich in meiner Not. « Sie meinten aber, sie hätten
schon hungrige Mäuler genug zu stopfen und es lange kaum für sie alle. Aber
schließlich buken sie doch ein weiteres Brot mit und legten es auf einen
gekreuzten Stock. Am anderen Morgen war das Brot noch da und als sie es heim
tragen wollten, war es schwer und beim Aufbrechen fielen güldene Taler
heraus. Beim Bader pochte spät jemand ans Fenster und bat um Hilfe. Es war
ein Wichtel, der um Hilfe bat und als er den kleinen, verhutzelten Kerl sah
graulte er ihn und er wollte nicht mit ihm gehen. Erst nach längerem Flehen ging
er dann doch mit, um der Frau vom Wichtel den gebrochenen Arm einzurichten. Nach
getaner Arbeit wurde er mit fünf Talern reichlich belohnt. Den Ort ihrer
Behausung aber konnte er am anderen Tag nicht mehr finden. Auf einem Hof am
Rehgebirge, der Name spielt keine Rolle, sollen zwei Moosweiblein ständig
gewohnt haben. Sie pflegten das Vieh und machten sich auch sonst sehr nützlich.
Sie waren sittsam und züchtig und liebten die Stille. Als sich dies eines Tages
auf dem Hof änderte, denn der Jungbauer hatte den Hof übernommen, er war grob
und ein Trunkenbold, waren die fleißigen Helfer verschwunden. Von diesem Tage an
hat der Wohlstand des Hofes ständig abgenommen. Der Schafsknecht vom Ramsberg
hatte seinen Pferch und Karren am jetzigen Golfplatz aufgeschlagen und hielt
dort seinen Mittagsschlaf. Im Halbschlaf gesellte sich zu ihm ein Waldweible und
schilderte ihm seine Not und Verfolgung durch die wilden Jäger. Wenn er in die
Karrendeichsel drei Kreuze schnitt wäre sie erlöst und sie hätte gegen die wilde
Jägerei eine Zufluchtsstätte. Nach dem Erwachen tat dies der Schafsknecht mit
dem Messer und seine Herde gedieh wie nie zuvor und seitdem haben alle
Schäferkarren in der Deichsel drei Kreuze. Seit dieser Zeit schlagen auch die
Waldarbeiter in gefällte Stämme Kerben, meist ein Zeichen von Kreuzen, damit Sie
von widerlichen Unfällen gefeit bleiben.
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